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Arbeiten mit Ton für Anfänger

Arbeiten mit Ton für Anfänger

Für viele ist das Arbeiten mit Ton eine willkommene Abwechslung zum Alltag. Einmal richtig abschalten und mit den Händen arbeiten. So können schon mal Stunden vergehen, in denen man Deko, Geschirr, Geschenke und vieles mehr gestaltet. Doch als Anfänger ist die Welt der Keramik ganz schön überwältigend mit all ihren Begriffen und Tipps, auf die man achten sollte. Wie auch in vielen anderen Bereichen kann hier hauptsächlich die Zeit und viel Übung etwas ausmachen.

Was genau ihr braucht, auf was ihr achten solltet, um mit dem Arbeiten mit Ton zu starten, sowie einige wichtige Fragen rund um das Thema Ton will ich euch hier zeigen.

Was brauche ich, um mit Ton zu arbeiten?

Ganz am Anfang mal einen ordentlichen Arbeitsplatz. Beim Arbeiten mit Ton wird es sehr schnell mal schmutzig. Deshalb wäre ein Raum, der nicht immer blitzsauber sein muss, zB. in der Werkstatt, Garage, etc., am geeignetsten. Natürlich braucht ihr einen Tisch, den ihr am besten mit alten Zeitungen bzw. Stoff auslegt, außer es ist euch egal, wenn er dreckig wird. Eine Schüssel mit Wasser und all euer Material, welches ihr zum Arbeiten benötigt. Am besten wäre dann auch noch ein Regal, auf dem eure Werkstücke trocknen können. Außerdem wäre es sinnvoll, wenn ihr euch in Klamotten schmeißt, die dreckig werden dürfen.
Soweit mal zur Umgebung und euch. Was ihr jetzt braucht, ist Klarheit.

Der geeignete Ton

Angefangen mit einem geeigneten Ton für eure Werkstücke, solltet ihr euch vorab mal fragen, was ihr später gestalten wollt. Es gibt Massen mit und ohne Schamotte. Der signifikanteste Unterschied besteht darin, dass der unschamottierte Ton zum Drehen auf der Töpferscheibe und der schamottierte Ton hauptsächlich zum Modellieren gedacht ist.

Hier ist außerdem noch zu beachten, dass umso größer der Schamottanteil, desto größere Werke können gestaltet werden. Denn die Schamotte haben nicht nur eine ästhetische Funktion, sondern sie halten schwere Tonmassen zusammen und verhindern somit, dass das Werkstück einstürzt (sofern alles gut aufgebaut wurde).

Die zweite Frage, die ihr euch stellen solltet- Sollen eure Werkstücke das ganze Jahr über draußen stehen bzw. für einen längeren Zeitraum Wasser halten? Falls hier eure Antwort Ja ist, solltet ihr zu einer Masse greifen, die auch für den Hochbrand geeignet ist, also bis 1250°C gebrannt werden kann. Diesen Bereich nennt man Steinzeugbereich. Er zeichnet sich dadurch aus, dass die Werkstücke dicht ausbrennen und somit für Vasen, Gartenkeramiken, Fliesen und alle Gegenstände, in denen längere Zeit Wasser steht, perfekt geeignet ist. Steinzeug Werkstücke sind frostsicher und können ohne Bedenken in den Geschirrspüler gegeben werden.

Im Niedrigbrand, also Steingutbereich, könnt ihr vor allem Ziergegenstände gestalten. Es gibt aber auch Hilfsmittel, die diese Keramiken ebenfalls abdichten, damit sie länger Wasser halten können.

So, nun könnt ihr die Fragen zum Ton beantworten. Beachtet aber, dass sich die Farbe der Masse nach dem Rohbrand ändern kann. In unserem Online-Shop seht ihr immer die Brennfarbe zur gebrannten Temperatur.

Jetzt will ich euch noch ein paar Fragen und Fakten rund um die Tonmassen klarstellen.

Warum springt mein Ton?

Leider kann es beim Arbeiten mit Ton dazu kommen, dass Luftblasen in der Masse bleiben. Wird das Werkstück gebrannt, so dehnt sich die Luft im Inneren aus und der Scherben springt. Eine andere Erklärung, wieso der Ton im Rohbrand springt, könnte sein, dass 2 Teile zusammengefügt wurden, die in unterschiedlichen Trocknungsphasen waren. Beispielsweise war der Henkel noch gut zu verarbeiten, aber die Tasse war schon lederhart. Im Rohbrand kann es durch die unterschiedlich getrockneten Einzelteile auch mal dazu kommen, dass sie auseinanderfallen.

Wie viel Ton braucht man?

Aus einem 10-kg-Tonhubel können Tonplatten für eine Fläche von ca. 0,5 m² mit einer Stärke von 10 mm bzw. ca. 0,35 m² mit einer Stärke von 15 mm hergestellt werden.

Ist ein einmal gebrannter Ton wasserdicht?

Beim erstmaligen Brennen wird der Ton zur Rohkeramik. Das Werkstück wird also viel stabiler und bruchsicherer. Wasserdicht wird es dabei aber nicht, da der Ton im Rohbrand (ca. 900°C) noch nicht seine Sintertemperatur erreicht hat, sofern er überhaupt eine hat.

Erst beim zweiten Brand, also dem Glasurbrand, kann der Ton seine Sintertemperatur erreichen und somit dicht ausbrennen. Hier solltet ihr unbedingt darauf achten, dass die Brenntemperatur von Ton und Glasur zusammenpassen.

Kann man Ton in einem normalen Backofen brennen?

Die Antwort ist jein. Es gibt Modelliermassen, die lufthärtend sind und im Backofen gebrannt werden können. Normaler Ton kann aber nicht im Ofen zuhause gebrannt werden, da er nicht richtig ausbrennen würde.

Mehr zu den lufthärtenden Massen findet ihr in den Artikeln Ton ohne brennen, geht das? und 6 Tipps – Ton im Backofen brennen.

Spezielle Tonmassen

In der Welt der Keramik gibt es verschiedene Tonmassen:

Ateliermasse/Schulton – Massen aus günstigen Rohstoffen zum universellen Einsatz in Abhängigkeit ihrer Schamottierung für Schulen und Hobbytöpfer.

Drehton/-masse – Unschamottierte oder nur leicht schamottierte Tone/massen mit feiner Körnung bis max. 0,2 mm zum Drehen auf der Töpferscheibe, zum Modellieren und zum Aufbauen kleinerer Werkstücke mit dünner, gleichmäßiger Wandstärke. Schamottierte Werkstücke bis ca. 25 cm Höhe.

Verschiedene Modelliermassen – Aufbau-/Modelliermassen mit unterschiedlich grober Schamotte bzw. Schamottanteil. Je nach Anteil und Körnergröße sind Werkstücke bis zu 50 cm Höhe möglich.

Platten– & Kachelmasse – Hoch schamottierte Massen bis ca. 45% Schamottanteil mit feiner Körnung bis max. 0,5 mm zur Fertigung flacher, größerer Platten und Kacheln bis ca. 40 cm. Reduzieren ein Verziehen währende des Trocknens und gewähren verminderte Rissbildung beim Brand.

Bildhauer-/Skulpturenmasse – Sehr grob schamottierte Massen von 40 bis 60% Schamottanteil und mit grober Körnung von 2,0 bis 5,0 mm für sehr große Skulpturen und Objektkeramiken ab 50 cm Höhe.

Rakumasse – Massen mit einer sehr guten Temperaturwechselbeständigkeit für Brände mit schneller, direkter Wärmeeinstrahlung, wie beim Rakubrand.

Spotsmasse – Unschamottierte bis leicht schamottierte Massen mit rustikalen, dunklen Sprenkeleffekten (Pyriteinschlüsse) die, je höher die Brenntemperatur ist, umso stärker an die Werkstückoberfläche treten. Zum Drehen, freien Aufbauen und Modellieren mittelgroßer Werkstücke.

Effektmasse – Meist grob schamottierte, einfarbige Massen mit andersfarbiger, grobkörniger Schamotte für Kacheln, Platten, Skulpturen und Objektkeramiken. Durch Auswaschen der Oberfläche vor dem Brand kommen die Schamotte noch besser zur Geltung. Auch sehr schönes Farbspiel beim Einsatz in der Marmoriertechnik mit verschiedenen Terrazzo-Massen.

Generell findet ihr in unserem Hauptkatalog immer die Zuordnung jeder Tonmasse zur Verwendungstechnik bzw. zu ihren Besonderheiten.

Wichtige Begriffe

Abschließend zum Thema Ton gibt es noch ein paar Abkürzungen, die ihr euch merken solltet:

  • STG – Steingut ist ein poröser Scherben aus den Grundstoffen Ton, Quarz und Feldspat. Durch seine niedrige Brenntemperatur bis max. ca. 1150°C sintert der Tonscherben nicht vollständig aus. Steingut brennt also nicht dicht aus.
  • STZ – Steinzeug besteht hauptsächlich aus den Grundstoffen Ton, Quarz, sowie Feldspat und verglast/sintert bei hoher Temperatur zu einem dichten, wasserundurchlässigen Tonscherben. Es brennt härter aus als Steingut. Der natürliche Brennbereich liegt meistens über 1200°C.
  • WAK – Wärmeausdehnungskoeffizient beschreibt die Veränderung der Abmessung eines Stoffes bei Temperaturveränderung.
  • TS – Trockenschwindung beschreibt die Schwindung des Tones/der Masse von der Verarbeitung bis zur angepassten Raumfeuchte (=Lufttrocknung) nach ein paar Trockungstage.
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